Claus Kuge-Gedichte / Peter Schumann-Illustrationen
Gedichte schaffen Bilder
3 (9) > 26 (9) 2021

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Liebe Freunde der Galerie,

vom 3.9. bis 26.9.2021 zeigen wir die Sonderausstellung "Gedichte schaffen Bilder" mit Gedichten des 2019 verstorbenen Claus Kuge und Illustrationen von Peter Schumann.
Am Eröffnungsabend liest der Schauspieler Jörg Bruckschen um 20 Uhr und 20.30 Uhr Gedichte von Claus Kuge.


In seinen Gedichten, er nannte sie Lyrogramme, erzählt Claus Kuge von Zweifeln, Sehnsüchten, Ängsten. Für ihn war das Schreiben Verarbeitung, distanzierte Selbstbetrachtung und Trost zugleich. Sein Schreibstil ist lapidar. Kein überflüssiges Wort. Experimentell verknüpfte er Lyrik und reportagehafte Prosa, Hoch- und Alltagssprache. Die Fragmentierung der Sprache resultiert aus der Wahrnehmung einer brüchigen Welt. Auf Reimstrophen wird verzichtet. Entsprechend seinem eigenen Wesen kennzeichnet kommunikative Offenheit die Texte, wenn auch einige hermetisch verschlossen und rätselhaft wirken.
Claus Kuge, geboren 1948, war geprägt vom Geist der 68er-Bewegung. Auflehnung gegen die faschistoide Elterngeneration, Selbstbestimmung versus Anpassungsdruck, Drogenproblematik und die Zerbrechlichkeit von Liebesbeziehungen sind treibende Themen in seinen Texten.

Die illustrative Umsetzung durch Peter Schumann ist das Ergebnis einer langen Freundschaft zwischen Dichter und Künstler. Von 2013 stammt die erste Illustrationsserie in Pastell-Ölkreide und Bleistift auf Papier. Bewusst folgt deren spielerische Machart keinem festen Schema, analog den Texten. Der Zeichenstil wechselt zwischen abstrakter und figurativer Darstellung, Expressives steht neben kontrolliert aufgebauten Elementen. Letztlich fügen sich die einzelnen Segmente kompakt zu einer bildhaften Botschaft des Gedichtes.
In einer zweiten Schaffensphase, nach dem Tod Claus Kuges 2019, entstanden zu einigen der Gedichte großformatige Bilder in Gouache und Aquarellstift auf Papier. Hierbei ging es um die Realisierung weiterer Ideen und die Loslösung der Illustration vom typischen Kleinformat hin zu einer plakativen, wuchtigen Optik.

Zusammenfassend betont das Ausstellungsprojekt die Beharrung des subjektiven Ichs in der Anonymität der modernen Gesellschaft.


DER TRAUM VON DER STRASSE von Claus Kuge

Hey,
ich habe Lust
auf die Straße zu gehn.
Ich merke wie die Glut
an meiner Seele nagt.

Hey,
ich habe Lust
auf die Straße zu gehn.
Die Straßen der Welt zu sehn
und nie mehr heim zu gehn.

Eines Tages werd ich
alles verkaufen und anfangen
auf den Straßen zu laufen
und mich nie mehr umzudrehn.

Hey,
ich habe Lust zu gehn.
Noch ist es nur in meiner
Brust.
An einem Morgen werd ich
auf die Straße gehn.

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